Mord im Netz

«Nun, erklären Sie mir bitte nochmals ganz ruhig, was passiert ist.» Kriminalinspektor Heuschreck kratze sich mit seinem grünen Vorderbein am Kopf und wartete.
«Hmrrmm», räusperte sich Fliege Bebe und blickte auf ihren bläulichen Bauch. Sie schien ihre Kräfte zu sammeln.
«Also Bibi und ich hatten soeben einen wunderschönen Kuhfladen entdeckt und wollten hinfliegen.» Kriminalinspektor Heuschreck schüttelte beim Wort Kuhfladen angeekelt seine Flügel.
Bebe hielt erschrocken inne. Sie zitterte.
«Fahren Sie fort und kommen sie bitte zum Punkt!» Die Heuschrecke blickte streng.
«Ja, also und dann flogen wir los und dann blieb Bibi in diesem schrecklichen Spinnennetz hängen. Es war grauenvoll! Sie zappelte da drin und brüllte um ihr Leben. Ihre Flügel schlugen wie wild aber sie verhedderte sich immer mehr in den klebrigen, silbrigen Fäden!»
Bebe schluchzte.
«Und dann kam Herr Dickbein wie der Blitz herangekrabbelt und tötete Bibi mit einem Biss und saugte…» Bebe brach ab und sass mit hängenden Flügeln da.
«Ist ja schon gut, den Resten kennen wir ja. Herr Dickbein saugte Ihre Freundin bis auf den letzten Tropfen aus und jetzt ist Bibi tot.»
Bebe nickte, während sie traurig mit ihren Facettenaugen blinzelte.
«Die Frage ist, WARUM hat Herr Dickbein ihre Freundin ermordet.» Das Motiv fehlt uns.
«Eh, Herr Inspektor, darf ich was sagen?» Maddy Made, die den Kaffee gebracht hatte, kroch vorsichtig vor.
«Maddy? Du bist doch nur die Sekretärin? Du hast davon doch keine Ahnung! Lass mich bitte in Ruhe arbeiten und störe mich nicht mehr!»
Kriminalinspektor Heuschreck wackelte irritiert mit seinen grünen Fühlern.
Maddy Made senkte sofort den Kopf und kroch ergeben aus der Tür. Als sie draussen war, murmelte sie «Herr Dickbein hatte doch einfach Hunger.»
(c)Milena Tebiri