Auf irgendwann mal wieder

Gestern war ich mit meinen zwei Töchtern in einem italienischen Café hier in der Gegend etwas trinken. Es wimmelte von munter plaudernden Gästen, die genüsslich leckere italienische Spezialitäten kauten und an ihren Cappuccinos und Esspressi nippten.  Ein freundlicher Kellner, klar der Chef dieses Cafés, kam höflich auf uns zu und fragte, für wie viele Personen wir einen Tisch wünschten. Er wies uns anschliessend zu einem kleinen Tischchen und streichelte lächelnd über die Wange meiner grösseren Tochter, die aufmerksam zugeschaut hatte. Auch wenn es viele Mütter und Väter gibt, die es nicht tolerieren, wenn jemand Fremdes ihr Kind ohne zu Fragen anfasst (was ich verstehe), so ist es für mich wichtig, dieses Thema immer in den soziokuluturellen Kontext zu stellen. Ich war hier in einem italienischen Café, das italienischer nicht sein konnte, die eine Kellnerin sprach sogar nur italienisch. Ich  liebe die italienische Kultur und weiss, wie die Kinder dort angesehen und behandelt werden. So fand ich das eine schöne, feine Geste und meine Tochter fasste es in keiner Weise negativ auf, im Gegenteil, sie spürte die wertschätzende Aufmerksamkeit.  Aber zurück zur Erzählung.

Als ich bestellen wollte, fragte ich, ob ich mit Karte bezahlen könne.

"Nein, nur bar, aber bestellen Sie erstmals", meinte der freundliche Chef-Kellner und als ich nochmals betonte, dass ich wirklich nicht bezahlen konnte, erwiderte er nur, dies könnten wir später besprechen, ich solle jetzt erstmals in Ruhe trinken und es geniessen.

Ich war baff. So etwas hatte ich wirklich noch nie erlebt. Gab es das, hatte er solches Vertrauen in fremde Gäste?

Als ich am Schluss die Quittung verlangte, hielt er sie mir mit den Worten "Bis irgendwann mal wieder" hin.

Ich dankte ihm für das Vertrauen, er lächelte nur und war schon beim nächsten Gast.

Natürlich ging ich sofort Geld rauslassen und beglich meine Schulden, aber das Erlebnis wirkte noch lange nach.

Lächelnd ging ich durch die Strassen und war berührt, dass ich dies hatte erleben dürfen. 

Obwohl mein Glaube an das Gute, vor allem auch im Menschen, unerschütterlich ist, tut es gut, die innere Erkenntnis ab und zu bestätigt zu bekommen. Herzdank an diesen freundlichen Kellner, möge er viele Gäste bewirten, die seine Güte und seinen Altruismus spüren.